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CD Review "Devil In The Detail" von Hocked On Music

Manchmal ist es schon merkwürdig. Gleich nach dem Aufklappen der Foldout-CD und einem Blick auf's Bandfoto weißt du: Unter solchen Gestalten fühlst du dich wohl. Wenn vier solche Kerle Musik machen, dann kann da nur Gutes bei 'raus kommen!
-Und genau so ist das!
Wenn "Devil In The Detail" erstmal im CD-Player liegt, gräbt sich die Band aus Arizona wie ein musikalischer Fourwheeler durch sumpfigstes Dixieland, ackert durch texanische Washes, rumpelt mit mächtig Gas durch die Great Plains, zieht eine mächtige Staubfahne durch die Wüste Arizonas und streift so ganz nebenbei auch noch die vermeintliche Legerness der kalifornischen Küste.
"Devil In The Detail" ist eine Scheibe, die vom ersten bis zum letzten Take zündet, dabei sämtliche Gefühlslagen bedient und von einer so ungestümen Frische ist, dass der Hörer erstmal sprachlos zurück bleibt. Klingt ein bisschen so, als hätten sich die frühen ZZ TOP mit der CHARLIE DANIELS BAND verbrüdert und LYNYRD SKYNYRD plus die frühen AC DC mit an Bord genommen! Dass innerhalb dieses magischen Vierecks nur Gutes zustande kommen kann, liegt auf der Hand.

Eröffnet wird "Devil In The Detail" mit drei mächtigen Riff-Rockern, die ganz gewaltig durch die Boxen wehen und erstmal eine gemähte Wiese zurück lassen. Egal ob 4 Lo, El Camino oder Before Monday Come, alle drei sorgen für eine überaus gepflegte "Festplattenformatierung"! Eine weitere, in dieselbe Kerbe schlagende Nummer (vielleicht der beste aller hier vertretenden Kracher) ist Gitsum. Mein lieber Scholli, da brennt der Wald! Hier empfehle ich übrigens auch gerne mal einen Blick auf die MySpace-Seite der Band, auf der ein, sagen wir mal, sehr aussagekräftiges Video von Gitsum zu finden ist. Ein herrlich einfacher "Selber-Dreh" mit eindeutiger Aussage (wobei ich hier betonen muss, dass meine Einstellung zu Handfeuerwaffen ein klein wenig in die amerikanische Richtung weist und ich dem Video deshalb einen durchgängig breiten Grinser abgewinnen kann). So isser halt, der wilde Westen! Und spätestens wenn alle "Gebirgs-Schützen" im Chorus singen, dann muss man sie einfach liebhaben...!

Aber lassen wir den amerikanischen Waffenkult mal außer Acht. Auch wenn sich die Band zu selben bekennt, heißt das nicht, dass sie schlechte Menschen oder gar Musiker sind. Auch Ronnie Van Zant hatte einen Revolver unter dem Kopfkissen!
In Amerika ist halt vieles anders. Manches zum Guten, manches zum Schlechten.
Wir bleiben definitiv beim Guten. Beim sehr Guten sogar, denn ihre größten Momente haben HOGJAW, wenn sie sich so richtig im Southern Rock verstricken. The Fog ist eine Southern Nummer zum Niederknien! This Whiskey ist definitiv nicht besser hinzubekommen; ein regelrechtes Paradestück mit herrlichem Break und fetzender Gitarrenschlacht. Bei Eastbound And Down, einen fein hingeschluderten Country-Reißer, ertapp' ich mich dabei, durchs Wohnzimmer zu steppen; passiert auch nicht alle Tage! Herrlich dieser Song!
Unglaublich hitzig und schwül kommt Swamp daher! Eine schweißtreibende Nummer die mich irgendwie an "In The Heat Of The Night" erinnert und laut nach einer 'runter geschalteten Klimaanlage schreit. Und nach viel Eis im Whiskey...!
Junga ist nochmal ein Riff-Rocker, ähnlich der ersten drei Nummern. Mächtig drauflos bollernd werfen ihn HOGJAW fast schon etwas abgebrüht unters Volk.
...wie die "Großen"! Und dass sich die Band auch selbst mal auf die Schippe nehmen kann, beweist sie mit dem lustigen Country-Rausschmeißer Cheap Whiskey"!

Nun muss man abwarten, wie sich HOGJAW entwickeln. Ob sie in der Lage sind eine weitere "Packung" a la "Devil In The Detail" auszubrüten oder ob sie den Weg vieler neuer Southern Bands gehen und wieder in der Versenkung erschwinden.
"Devil In The Detail" jedenfalls ist ein außerordentlich gelungenes Debüt, das ich nicht nur dem Southern- und Ami-Rocker wärmstens ans Herz lege, sondern jedem, der auf handgemachte, mächtig drauflos bollernde Mucke steht. Eine Scheibe ohne wirkliche Aussetzer (wenn man das etwas simple Cheap Whiskey als "Spassnummer" wertet), dafür aber mit einigen wirklich hochkarätigen Southern Rock Perlen und vier exzellenten Riff-Rockern. Für mich die beste Scheibe seit Beginn des Jahres!

Christian "Grisu" Gerecht, (Artikelliste), 07.07.2008


Es ist wieder Sommer - endlich hat unsereins wieder die Gelegenheit, den Ofen auszuführen. Stolze Besitzer einer Honda "Gold Wing" haben die Möglichkeit, während der Fahrt, über ein paar brauchbare Boxen, Musik zu hören. Alle anderen können dies erst beim Après-Hopfentee tun. Ja, und welche Mucke hören Biker vorwiegend, völlig gleich, ob sie einen "Joghurtbecher" oder eine "Harley" steuern? Biker-Rock: unbeugsam wie der "Bock", rauh wie 'ne "Kutte", und hart wie die Leber des Besitzers. Keine Angst, ich will jetzt nicht schon wieder eine weitere unsinnige Musik-Kategorie erfinden. Davon haben wir schon mehr als genug, aber es ist schon ein ganz spezieller Sound, den wir Biker präferieren. In ihm paart sich sehr amerikanischer Hardrock mit erdigem Blues-Rock und fröhlichen Countryklängen - diese Zutaten kennt man auch unter dem kryptischen Namen "Southern-Rock". Nun ist die Verknüpfung von Bikes und Southern-Rock zutiefst klischee-belastet und Grund für manchen derben Witz. Aber ich persönlich habe noch keinen Biker getroffen -und glaubt mir, das waren so einige- der nichts mit dieser so schwer definierbaren Musikrichtung anfangen konnte.

Was hindert uns dann daran, HOGJAWs neue Scheibe "Devil In The Details" als Southern-Rock zu bezeichnen? Sie verfügt über alle oben angeführten Atrribute, schön rauh und hart angelegter Blues- und Hardrock, etwas Country .... paßt! HOGJAW führen Southern-Rock der härteren Gangart im Stil von MOLLY HATCHET und aktuell auch der REBEL PRIDE BAND mit knallig-bollerndem Blues-Rock ganz in der Tradition von den FOUR HORSEMEN und der STEEPWATER BAND gekonnt zusammen. Bereits mit ihrem Debüt-Album hat diese erst 2006 gegründete Formation nun ein beachtliches Pfund vorgelegt. Das einzige was man vielleicht kritisch anmerken kann und muss ist, dass der Band nach ganz starkem Beginn und dem musikalischen "High Noon" etwas die Luft ausgeht. Die Spannung kann nicht ganz aufrecht gehalten werden, aber das Potenzial ist da - ganz ohne Frage!
Freunde episch angelegter Long-Tracks kommen auf "Devil In The Details" voll auf ihre Kosten. Immerhin vier der zehn Songs knacken locker die magische 5-Minuten-Grenze. This Whiskey ist der längste und wohl auch schönste Song dieses Albums - wer auf eine zünftige Gitarrenschlacht steht, bekommt nicht nur hier die Vollbedienung. Der enorm druckvolle Midtempo-Rocker Swamp steht dem in nichts nach. Wer mit diesen satten Gitarren und versoffenen Stimmen nichts anzufangen weiß, der möge die Finger von dieser Scheibe lassen.
Gleich zu Anfang gibt es einen "Dreier", der es in sich hat: 4 lo setzt gleich die Duftmarke, um gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass diese Scheibe "skynyrd" ist. Der nächste Track El Camino erinnert mich dann auch folgerichtig an Double Trouble. Das ist ein herzerfrischender Fön, der Dir die Flausen aus dem Kopf bläst. Ein Uptempo-Höllenritt folgt mit Before Monday Come, um dann mit der Hammer-Ballade The Fog voll in die Eisen zu steigen. Erneut ein Song, wie ihn Ronnie VanZant und Steve Gaines schöner nicht hätten schreiben können. Mein persönlicher Fav auf "Devil In The Details" ist Gitsum, das, auf einem Killer-Riff basierend, ein richtig abfetzender Swamp-Rocker ist. Mit East Bound And Down folgt der obligatorische Country-Rocker, nicht sonderlich originell, aber Spaß macht sowas immer.

Zum Ende von "Devil In The Details" geht HOGJAW dann doch etwas die angesprochene Puste aus. Junga rockt zwar heftig, aber ohne die zündende Inspiration und was soll ich über Cheap Whiskey sagen, außer dass den Vieren der billige Fusel offenbar gewaltig in die Birne geknallt hatte. Über so 'ne Sauforgie hätte ich mich bestenfalls als Pubertierender köstlich amüsiert und selbst dem Kind in Manne -sprich mir- ist kein Grinsen abzugewinnen.

Über die Texte dagegen breitet man besser den Mantel des Schweigens. Hier wird die Outlaw-Attitüde voll ausgereizt und "ur-amerikanische" Rechte, wie der Waffenbesitz, glorifiziert. Waffen haben in der amerikanischen Gesellschaft einen völlig anderen Stellenwert als hierzulande. Unser Unverständnis bezüglich solcher textlichen Ergüsse beruht wohl darauf, dass wir immer noch viel zu wenig wissen, wie US-Amis eigentlich "ticken". Es sind völlig andere Werte- und Moralbegriffe und die Kluft zwischen Europa und Amerika besteht nicht nur aus dem Atlantik. Vorschnelle (Kurz)Schlüsse sind ganz sicher kontraproduktiv, zumal sie den geradezu revolutionären Veränderungen der US-amerikanischen Gesellschaft in letzter Zeit nicht gerecht werden, ja sogar letztendlich in den Rücken fallen.
Zum anderen sind's m.E. nichts anderes als Macho-Allüren, die in HOGJAWs Songtexten zum Ausdruck kommen. Nehmen wir als Beispiel wieder unsere Biker: Die Geschlechterrollen scheinen bei oberflächlicher Betrachtung klar verteilt. Aber wer diese harten Jungs wirklich kennt, weiß ziemlich genau, was für empfindsame, weiche Seelen unter der Kutte schlummern. Ich denke also nicht, dass man über HOGJAWs Texte nun den Stab brechen sollte. Das sollte man einfach alles nicht so wörtlich und vor allem nicht zu ernst nehmen .... und immer daran denken: Die Dummheit ist auf diesem Planeten gerecht verteilt worden.

Für mich ist HOGJAW eine DER Entdeckungen im Southern-Genre in letzter Zeit - Daumen senkrecht in die Luft! Wie lang die "Halbwertzeit" solcher Spaßplatten ist, kann man nie genau vorhersagen. Ich hoffe aber, zukünftig noch öfter über HOGJAW schreiben zu können.

Steve Braun, (Artikelliste), 28.06.2008


CD Review "Ironwood" von Hocked On Music

Hab' ich's nicht damals schon geschrieben: "Die Band aus Arizona gräbt sich wie ein musikalischer Fourwheeler durch sumpfigstes Dixieland, ackert durch texanische Washes, rumpelt mit mächtig Gas durch die Great Plains, zieht eine gewaltige Staubfahne durch die Wüste Arizonas und streift so ganz nebenbei auch noch die vermeintliche Legerness der kalifornischen Küste..."
Gut, dass mit der Küste und der Legerness können wir bei HOGJAWs zweiter Scheibe "Ironwood" knicken, aber wir brauchen sie auch nicht zwingend. "Ironwood" ist der beinahe klassische und fast auch zu erwartende Schritt in Richtung Solidität, Kontinuität und Verlässlichkeit. Die Band dürfte damit "angekommen" sein. Will sagen, ist über den Status, des bei neuen Southern Rock Bands meist sehr guten, hier überragenden, Debüts hinaus ohne danach in den ewigen Jagdgründen zu verschwinden. Mich freut es ungemein, denn die vier Kerle aus der Wüste sind alles wahre Brüder im Geiste und ihr Oberhaupt könnte mein kleiner Bruder sein. Klar, dass da ein absolut objektives Review kommen wird, denn über solche Männer und deren Musik schreiben zu dürfen, ist eine wahre Freude. Übrigens wurde noch nirgendwo erwähnt, dass Jonboat, Kreg und Elvis allesamt Kinder von USAF-Angehörigen sind und eine Kindheit hinter sich haben, die von einem Airforce-Stützpunkt und einer Schule zur anderen führte. Das prägt, stählt, schlägt sich im Hobby der Vier nieder und färbt natürlich auch auf Musik und Texte ab. Vermutlich wird jetzt wieder, vor allen bei Songs wie "Two Guns", die ewig gleiche Leier angehen, dass die chauvinistischen Südstaatler über's Saufen und Herumballern nicht hinauskommen, aber dieser eindimensionale Blickwinkel kommt ja prinzipiell nur von Good Ol' Germanys antipatriotischen Nervenbündeln, die es nicht schaffen sich in das Denken und Handeln freier, vernünftiger Menschen hineinzuversetzen. Glücklicherweise ist Dixie weit weg... könnte sonst durchaus sein, das dort unschuldige Menschen wegen der lächerlichen Leier an Lachmuskelkrämpfen zu Grunde gehen...
Dabei ist kritisches Hören durchaus eine gesunde Einstellung. Nur wo bleibt die Heulerei bei Death oder Black Metal Texten; wo bei Rammstein? Da ist es offensichtlich egal. Die Dresche kriegen die Southern Rock Bands, weil deren Vaterlandsliebe gleich hinter Krieg und Verderben kommt. Und das kann die obige Klientel genauso wenig ab, wie mal ganz entspannt und locker über Texte wie Two Guns hinwegzuhören. Kommen wir lieber zurück zu den vier Haudegen von HOGJAW und vor allem zu deren Äxten. Letzteren inklusive Bass lassen die Jungens freien, absolut ungezwungenen Lauf und wäre der Ironwood kein Ironwood, mit Stumpf und Stiel hätten sie ihn abgeholzt und zu Brettern gesägt...!

Als Einstieg in "Ironwood" rammelt uns die Band ein völlig irres Rollin Thunder um die Ohren. Ein Riffrocker mit der Wucht eines .357er Teilmantelgeschosses! Am Ende, sag' ich jetzt schon, bleibt nur ein riesiges Loch und verbrannte Erde. Allerdings fällt schon bei Durchlauf und Titel 1 eine ziemlich fette Produktion auf. Wem das nicht so zusagt muss zu Hause den Equalizer bemühen um auf ein dem Southern Rock gemäßes Klangbild zu kommen; bei mp3-Playern hilft, sofern man nicht selbst Hand anlegen kann zumeist die Jazz-Voreinstellung. Keine Ahnung warum die Jungens da solch eine Bass-Bombe zünden mussten, aber scheinbar kommt diese Unsitte nun auch bei den "kleinen" Bands in Mode. Auch "Hard Luck Town" der JJ MUGGLER BAND ist mit diesem übertriebenen Druck aufgebretzelt. Muss nich', find' ich! Rollin Thunder ist dennoch ein Einstieg nach Maß und zeigt neben brüllenden Riffs auch hervorragend eingestreute, auf den Punkt genaue Gitarrensoli.
Blacktop hingegen schielt ein wenig auf die Balladen von "Devil In The Details", HOGJAWs Erstling, ohne allerdings zur Gänze deren wirkliche Klasse zu erreichen. Soll aber nun keinesfalls heißen, der Song wäre zweite Wahl! Nein, Blacktop verzaubert nicht nur mit einer herrlich gespielten Pedal-Steel, sondern überhaupt mit ungemein perlenden Gitarrenläufen und einem schön differenzierten Groove. Dass HOGJAW hie wie da ein klein bisschen bei sich selbst abgeschrieben haben (einige Melodiebögen auf "Ironwood" erinnern ein wenig an This Whiskey, an El Camino und an The Fog) stört nicht die Bohne!
Mit Three Fifty Seven sind wir nicht nur zurück beim weiter oben beschriebenen Teilmantelgeschoss, sondern, mit Ol' Slippery Willie im Schlepptau, bei zwei weiteren, mächtigen Riffrockern. Leut' da glüht der Eisenwald und der Sound föhnt nicht nur exzellent die Haare, sondern lässt, Nachbar's danken es euch, ganz massiv die Wände wackeln... Bei Country Line hingegen zaubern die vier Kerle aus Arizona dann auf einem ganz ganz anderen Level. Wer von uns alten Knochen hier nicht an die Caldwell Brüder und deren MARSHALL TUCKER BAND erinnert wird, hat ganz offensichtlich die 1970er verschlafen! HOGJAW bauen den Song mit einer Luftig- und Leichtigkeit auf, die man, vor allem nach den drei gnadenlosen Riffrockern im Vorfeld, für unmöglich gehalten hätte. Sechseinhalb Minuten verzaubern sie mit fein Country-lastigen Double Leads und einem zurückhaltenden, dennoch dauerpräsenten "March" nach vorne. Eine Perle!

Swampig und schweißtreibend wird es mit dem folgenden Ain't Ever Gonna Win (Without A Little Bit Of Sin); einem Track der ebenfalls die sechs Minutengrenze überschreitet, ordentlich Dampf macht, einen reizvollen Kontrast zu seinem Vorgänger bildet, aber nicht ganz dessen Klasse erreicht.
So, nun lasst mich endlich zu meiner Lieblingsnummer kommen. Ungestählte Yankees, neurologisch vorbelastete Bürgerrechtler und Heulsusen müssen jetzt draußen bleiben, denn hier haben wir es nicht nur mit dem Soundtrack zu "Hängt ihn höher, Teil II" zu tun, sondern auch mit einem überaus aussagekräftigen Text. Natürlich: "Hängt ihn höher" aus meinem losen Mundwerk lässt die Obigen sofort mit den Fingern wedeln! Aber wie wär's bspw. (und natürlich nur strikt theoretisch betrachtet) mit den BP-Managern, denen 50.000 Bucks für ein Spezialventil zu viel des Guten waren und die durch ihre Profitgier eine der größten, vielleicht sogar die größte, wir sind ja noch längst nicht an deren Ende angelangt, möglicher Weise allumfassende Umweltkatastrophe verschuldeten? Wie wär's mit den blauäugigen Iddies der US-Behörden, die diese "Einsparungsmaßnahme" der BP absegneten...?! Zu weit weg? Na gut, nehmen wir eben den abgeschossenen Vorstand der Hypo Real Estate; ein Warum dazu muss ich ja hier nicht mehr weiter rechtfertigen...! Two Guns, das mit einem Kugelhagel beginnt, ist musikalisch gesehen ein wunderbar hingerotzter Country Rocker mit krachenden Gitarren, erstklassig eingebauter Steel Guitar und locker-unverkrampften Groove. Ein kleines Double Lead Gewitter, das die singende Pedal Steel in Höhe 3:17 min. ablöst, verleiht der Nummer geradezu Flügel, während ihr die Hey-hey-hey-Chöre den endgültigen "Hängt-ihn-höher-Stempel" aufdrücken und den Hörer gedanklich an jenen Baum am North Canadian River versetzen, der Clint Eastwood damals fast zum Verhängnis wurde. HOGJAW wären nicht HOGJAW, hätten sie die Schießerei zu Beginn des Songs nicht selbst in die Hände genommen. Als logische Konsequenz derselben muss ein ebenfalls von eigener Hand geläutetes Totenglöckchen die Nummer ausklingen lassen. Asche zu Asche, Staub zu Staub, Blei zu Blei und Tabletten für die Nerven... ;-)

Prägnante Gitarren leiten Walkin ein. Eine Midtempo Nummer, deren balladeske Grundzüge bald mit krachenden, mächtig losrockenden Gitarren und trockenem Groove konkurrieren müssen. Letztlich siegen natürlich die übermächtigen Äxte von Kreg Self und Jonboat Jones!
Flathead, dessen anfängliches Gezirpe, Gegluckse und Gekrähe auf einen süffisanten Swamp Rocker hoffen lässt, wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein. Der eigenwillige Rezitativgesang (von den Gast-Vokalisten Rob Toner und Steve Larson) ist zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mit ein paar Mal Hören und vor allem nach ein paar Bier macht die Nummer dann aber immer mehr Spaß.
Mal ehrlich: Wer hat seinen Dad ab einem bestimmten Alter nicht "ge-hornswoggled" und ihm so manches Bier aus dem Kühlschrank gestohlen?! Ergo kann uns bei Musik wie Hornswogglin nur ein durchgängig breiter Grinser ins Gesicht fahren. Fand sich Jonboat Jones zur Einnahme des geistigen Getränks seinerzeit im Schatten der "Familien-Pappel" wieder, so war's bei Klein-Grisu der Hollerbusch hinter dem Kräutergarten. Der Unterschied bestand nur darin, dass Bier bei uns gemeinhin und gottlob aus Flaschen getrunken wurde. Im Alter von elf, zwölf Jahren haute eine "Halbe" auch noch ganz gewaltig rein, so dass ein kleines Schläfchen im Schatten des Busches nicht ausblieb und allenfalls nur von ein paar dieser roten (Ameisen-)Terroristen gestört wurde... Hornswogglin entstand als einziger Track des Albums live (und nach ein paar Bieren und Whiskey's) in Kwall's Haus und schließt nahtlos an das witzige Cheap Whiskey vom Debütalbum HOGJAWs an. Ein überaus liebenswerter Ausklang, dessen Text die Gedanken weit zurück schweifen lässt und Erinnerungen weckt, die auf der "Festplatte" JWD abgelegt waren.

Fazit: Mit "Ironwood" führen HOGJAW ihren eingeschlagenen Kurs mit gebotener Härte und kernigen Southern Rock auf ihre ganz eigene, durchaus geniale Weise fort. Ob die Band auf Grund ihrer teils wirklich harten und rauen Songs nun eine Nische besetzen will, die einstmals MOLLY HATCHET vorbehalten war oder ob sie letztens einfach nur ein BEITTHEMEANS Konzert besucht haben, weiß man nicht genau. Warten wir mal gespannt auf Album Nummer 3!
"Ironwood" hätte m.E. noch ein Song wie The Fog gut getan und die Scheibe insgesamt vielleicht ein bisschen ausgewogener gemacht. Aber klar ist ja wohl auch, dass man solche Übernummern nicht am Fließband schreiben kann. Immerhin besetzen bzw. ersetzen so feine Songs wie Blacktop oder Country Line die Position einer echten Southern Ballade. Und Two Guns ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Für die volle Punktzahl wie bei HOGJAWs Debüt reicht es zwar nicht ganz, aber "gefühlte" 8 von 10 Pünktchen sind ohnehin nur Nörgeln auf hohem Niveau. Auf den Punkt gebracht könnt' man, der Einfachheit halber, sagen: Kaufzwang für alle Southern Rocker!

Gibt's noch irgendwelche Fragen... ;-)

Christian "Grisu" Gerecht, (Artikelliste), 26.06.2010

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