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Jason Isbell

Jason Isbell

Blue Rose Records:

JASON ISBELL mag für viele noch ein unbeschriebener Name sein, einschlägig informierte Fans der Indie/Southern Rock-Heroen Drive-By Truckers wissen natürlich Bescheid! Und fragen sich, ob die Kunde eines Alleingangs eines der drei Frontmänner dieser formidablen Band eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Schließlich geht sie einher mit der offiziellen Mitteilung, dass er die DBT endgültig verlassen hat und von nun an seine eigene Karriere vorantreiben wird. Trotzdem: drei Mal Daumen hoch! Erstens macht die beliebte und mittlerweile enorm erfolgreiche Gruppe aus Athens, Georgia weiter - in welcher Form auch immer. Außerdem bedeuten zwei Acts aus demselben Lager eben doppelt guten Stoff. Und sowieso: Sirens Of The Ditch ist schlichtweg ein tolles Album geworden, das für ein absolutes Blue Rose-Highlight in 2007 sorgen wird!

'Outfit', 'Danko/Manuel', 'Decoration Day', 'The Day John Henry Died', 'Never Gonna Change', 'Easy On Yourself', 'Daylight', 'Godamn Lonely Love'... All diese bekannten DBT-Songs stammen aus der Feder von Jason Isbell und gehören mit zum Besten, was die Band um die Gründungsmitglieder Patterson Hood und Mike Cooley in der jüngeren Vergangenheit zu bieten hatte. Isbell stieß Mitte 2001 dazu und war an den Studioalben Decoration Day, The Dirty South und A Blessing And A Curse maßgeblich beteiligt. Sein markanter Leadgesang und seine kompromisslose Art, Gitarre zu spielen, fügten sich nahtlos in den Gruppensound ein und bereicherten die DBT-Live-Shows beträchtlich. Vergleiche mit dem Gary Rossington/Allen Collins/Ed King-"Triple Attack" von Lynyrd Skynyrd kamen sicher nicht zufällig auf!

Bei näherer Betrachtung erscheint die Trennung Isbell's von den Truckers als Ergebnis einer logischen Entwicklung. Bereits seit 2004 arbeitete der mittlerweile 28-Jährige an den Aufnahmen zu Sirens Of The Ditch - immer wenn Zeit war, in seiner Heimat Muscle Shoals, Alabama, in den berühmten Fame Studios (Aretha Franklin, Otis Redding, Duane Allman...). In letzter Zeit gab es immer mehr Soloauftritte und auch die Beziehung zu Partnerin Shonna Tucker ist wohl am Ende. Sie wird den DBT als Bassistin treu bleiben. Glücklicherweise gibt es keine negativen Gefühle in beiden Lagern, denn sowohl Patterson Hood als auch Isbell betonen den freundschaftlichen Split. Dazu passt, dass beide zusammen dieses Album produziert haben, Shonna Tucker und Ex-Kollege Brad Morgan (Drums) die Rhythm Section bilden und Hood selber sowie DBT-Pedal Steeler John Neff prominente Gastrollen einnehmen. Außerdem wirken auf vereinzelten Tracks solch hochkarätige Muscle Shoals-Musikerlegenden wie Spooner Oldham und David Hood mit. Letzterer ist bekanntlich der Vater des DBT-Leaders.

Sirens Of The Ditch ist vollgepackt mit 11 neuen Isbell-Originalsongs der Extraklasse. Trotz des mit potenten Gitarrenriffs und eingängigem Refrain gespickten Openers 'Brand New Kind Of Actress', dem Bad Company-style 'Try' und dem straight rockenden 'Shotgun Wedding' haben wir es hier mit einem Album zu tun, dass sich doch erheblich vom üblichen DBT-Mix unterscheidet. Isbell nutzt die Gelegenheit der Solodarbietung und setzt auf ein sehr breites musikalisches Spektrum. Da steht die southern-soulige Ballade 'Down In A Hole' neben dem Slow Blues von 'Hurricanes And Hand Grenades' (mit einem klassischen B.B.King-Motiv) und dem erstaunlich (im Tom Petty-meets-Alex Chilton-Sinn power-) poppigen 'Grown'. Da gibt es wunderschönen Storyteller/Americana/Folk ('In A Razor Town') und sehr persönliche Momente: 'Chicago Promenade' zu Ehren seines Großvaters, eine kraftvolle Pianonummer, die in ein fulminantes Electric Guitar Solo mündet; oder 'Dress Blues' im trauernden Angedenken an einen Freund, der im Irakkrieg umgekommen ist - sehr gefühlig arrangiert mit Chorgesang, breitwandiger Pedal Steel und Spooner Oldham-Orgel. 'The Magician' ist von akustischer Gitarre und Banjo angetriebener Alt.Country Rock pur und 'The Devil Is My Running Mate' beschließt dieses vorzügliche Album auf eine sehr sensible, nachdenkliche Art, ist vielleicht am weitesten entfernt von der teamorientierten Rockpower seiner alten Band.

Ja, nach diesem starken ersten Jason Isbell-Soloauftritt müssten sich die Ex der Drive-By Truckers bei aller Freundschaft regelrecht herausgefordert fühlen. Man darf auf ihre Antwort gespannt sein!

Links:
myspace.com/jasonisbellmusic
jasonisbell.com

 

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