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Johnny Crash



CD Review "Beyond The Highway To Hell"
Markus Kerren - Rocktimes

Haaah, wie geil ist das denn?? Amerikanisch auf australisch? Oder umgekehrt? Die bayrisch-hessische Band Johnny Crash hatte die offensichtlich großartige Idee, die beiden Legenden AC/DC und Johnny Cash in einen Topf zu werfen und darin ganz beherzt und kräftig rumzurühren. Herausgekommen ist "Beyond The Highway To Hell" mit dreizehn von dem Amerikaner geschriebenen und/oder interpretierten Perlen, dargebracht in Art der australischen Rock-Aushängeschilder um die Gebrüder Young und Rose Tattoo. Wobei die Einflüsse der Tatts weit weniger zum Vorschein kommen, aber das sollte hier nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Bereits bei dem großartigen Opener "When The Man Comes Around" macht das im Januar 2010 gegründete und seit April 2011 in der jetzigen Besetzung spielende Quintett klar, wo der Hammer hängt. Dieser AC/DC-typische Groove wird während der Strophen so authentisch vorgelegt, dass wohl jeder, der es nicht besser weiß, blind darauf vertrauen würde, es mit Malcolm Young und Phil Rudd zu tun zu haben. 'Rooby' Rubner ist der Mann vor dem Mikro, der dem viel zu früh verstorbenen Bon Scott stimmlich sehr, sehr nahe kommt. Diese Attribute gepaart mit einem der besten Cash-Songs überhaupt ergeben dann eine umwerfende Mischung, die nicht nur verdammt viel Laune macht, sondern auch noch erbarmungslos in die Beine geht und den Hörer bereits nach kurzer Zeit die Luft-Gitarre bzw. -Drums in Wallung bringen lässt.
Wie die Band glaubhaft versichert, ging es hier nicht darum, einfach nur zu covern. Vielmehr sind die Mitglieder selbst beinharte Fans der vorgenannten Bands sowie Musiker und kamen irgendwann auf die Idee, den Sound ihrer eigentlich doch unterschiedlichen Idole zu kombinieren. Und das ist ihnen - wie ihr sicher schon in den ersten Zeilen rausgelesen habt - auch wirklich sehr gut gelungen. Da Johnny Cash ja ein quantitativ wie qualitativ wirklich großartiges Song-Vermächtnis hinterlassen hat, konnten die Jungs natürlich aus dem Vollen schöpfen. Logisch, dass hier die ganz großen Hits wie etwa "Folsom Prison Blues", "Ring Of Fire" oder "I Walk The Line" vertreten sind. Aber Johnny Crash haben auch durchaus tiefer gegraben und weniger oder nicht weitläufig bekannte Pralinen wie "San Quentin", "309", "Cocaine Blues" oder "God's Gonna Cut You Down" ausgebuddelt und aufpoliert.
Bleiben wir doch gerade beim letztgenannten Song. Der ist nämlich der wohl bluesigste des Albums und ein Groover vor dem Herrn. Noch erstaunlicher ist, dass mich 'Rooby' Rubner mit seinem Gesang hier sogar stark an den Engländer Roger Chapman erinnert. Ansonsten ein brodelnder, groovender Swamp-Rocker, bei dem man durchgängig aufpassen muss wie die Hölle, dass man vor lauter Begeisterung nicht einen falschen Schritt in Richtung Treibsand macht, so tief fühlt man sich nach Mississippi verfrachtet. Bei "Flesh And Blood" tauchen die Tatts-Einflüsse dann doch noch in Form einer geilen Slide-Gitarre auf. Wobei auch der Gesang hier und da im Laufe der Scheibe mal mit der Frontröhre Angry Anderson (Rose Tattoo) spirituellen Kontakt aufnimmt.
Der einzige Track, der mich nicht wirklich überzeugen kann, ist ausgerechnet das von Trent Reznor (Nine Inch Nails) geschriebene "Hurt". Aber vielleicht war die Version des Country-Altmeisters einfach viel zu intensiv und einzigartig, dass andere Interpretationen (inklusive des Originals) dagegen eine Chance hätten. Aber egal, dieser Punkt sollte nicht von den vielen ganz starken Momenten dieses Albums ablenken. Einer meiner Favoriten ist "San Quentin", einer von Cashs Knast-Songs, der hier wieder in bester Rock'n'Roll-Tradition der Marke 'Australia' zum Besten gegeben wird. Im Nachhinein wundere ich mich bzgl. des Textes fast, dass der Country-Rebell nach dem Konzert im (damaligen?) Hochsicherheits-Trakt wieder 'raus gelassen' wurde.
Mit "Cry, Cry, Cry" liefern Johnny Crash eine weitere hypergeile Version eines ganz frühen (ca. 1955/56) Hits des Amerikaners. Diesmal gar mit weiblichen Background Vocals versehen, jeder Menge Power und dazu auch noch einem feinen Piano-Solo. Man kann im Prinzip hinhören wo man will: Sowohl der hammergeile Opener, das mit einem weiteren Mörder-Groove ausgestattete "Big River", der fast schon rotzig gebrachte Boogie "309", der straight geradeaus gehende (der selige Pete Wells lässt grüßen) "Cocaine Blues" oder das als langsamerer Blues vorgetragene "Long Black Veil" mit seinem dramatischen Text - hier dürfte das Herz eines jeden AC/DC- sowie Johnny Cash-Fans aufgehen. Zumindest die Herzen derer, die auch über den Tellerrand hinausschauen können.
Was uns "Beyond The Highway To Hell" letztlich bietet, sind zwar keine neuen Songs, dafür aber eine neue und sogar großartige Idee. Wie diese Nummern gebracht werden (übrigens auch herrlich rau und unprätenziös), müssten sie für jeden Rock-Fan eine helle Freude sein. Ich für meinen Teil werde meine Augen auf jeden Fall sperrangelweit offen halten und nach Gigs von Johnny Crash in meiner Umgebung Ausschau halten. Wenn diese Band auf der Bühne auch nur halbwegs das hält, was sie mit diesem Album verspricht, dann dürfte in jedem von ihnen bespielten Club granatenmäßig die Post abgehen, das Kondenswasser von der Decke tropfen und das Bier in Strömen fließen.
Alle Daumen nach oben, Kollegen, ein sehr geile Scheibe! Und da soll noch einmal einer sagen, dass sich unterschiedliche Stilrichtungen nicht miteinander vertragen ?

Line-up:
Jens Trogisch (bass)
Carsten 'Hardy' Harth (guitars)
Roland 'Rooby' Rubner (vocals)
Mike Slokam (drums)
Andy Schneider (guitars)

Links: Website

 

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