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Sons Of Bill




Stichwort: Americana Rock. In einer Zeit, in der Grenzlinien zwischen klassischem Country Rock der 70er Jahre, Alt.Americana, 90s No Depression Sound etc. verblassen und das Country-Genre stärker in die allgemeine Rock & Pop Music Einzug hält, wird es für junge Bands immer schwieriger, sich mit originellen, identifikationsreichen und nachhaltigen Beiträgen über dem Durchschnitt zu behaupten. Die SONS OF BILL aus Charlottesville, Virginia gehören seit einigen Jahren zur absoluten Créme dieser Gattung und treten soeben einen weiteren Beweis dafür mit ihrem brandaktuellen Album Sirens in beeindruckender Weise an! Sie haben damit eine ganz seltene Serie geschaffen: Nach einem traumhaften Debüt brachten sie nicht nur Jahre später einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger auf den Markt, sondern wiederholen dieses Spektakel nun gleich noch einmal! Sirens besitzt alles, was man sich als Fan angesichts der beiden Vorgänger wünschen durfte, und wird die Sons Of Bill zweifellos auf die Erfolgsspur katapultieren!

Nein, der Bandname entstammt nicht irgendeinem Lieblingswestern! In der Tat handelt es sich bei der Kreativabteilung des Quintetts um die drei Söhne eines gewissen Bill Wilson, selbst früher ein lokal anerkannter Musiker in Virginia. Es ist jetzt fast 6 Jahre her, als James, Sam und Abe Wilson zusammen mit Seth Green am Bass und Todd Wellons am Schlagzeug ihr erstaunliches Debütalbum A Far Cry From Freedom auf privater Ebene veröffentlichten. Man mochte kaum glauben, was da unter dem arg selbstgestrickten Booklet an reifer Musik zum Vorschein kam: nichts weniger als die perfekte Synthese von 70er Jahre Country Rock, 90er Gitarrenrock und Alt.Country der No Depression-Generation. In den Texten wurde alten Heroen wie der Nitty Gritty Dirt Band gehuldigt, das ländliche Small Town-Ambiente hofiert und über Menschen gesungen, die die Grenzen ihres Countys noch nie in ihrem Leben passiert hatten. Als Teenager hatte James Wilson zuvor seine Metal-Zeit durchlebt, um ab Mitte des letzten Jahrzehnts endgültig der Musik von Gram, Townes, Hank, Neil, Dwight & Co. zu erliegen. Schnell waren seine beiden Brüder motiviert, wurde die Rhythm Section dazu gecastet, erste Songs geschrieben, zusätzliche Coverversionen von Steve Earle, Tom Petty bis Drive-By Truckers für die Live Gigs einstudiert. Von Anfang an betonten sie klar das "Rock" in Country Rock und stiegen damit direkt in die höchste Liga zu Poco bis Reckless Kelly, der Dirt Band und Whiskeytown, den Long Ryders bis Son Volt auf.

Genau drei Jahre später traten die Sons Of Bill den Beweis an, dass A Far Cry From Freedom keine Eintagsfliege war. One Town Away hieß im Sommer 2009 ihr Zweitwerk, das noch richtig einen draufsetzte! Für dieses Album, das hier bei uns auf Blue Rose herauskam, hatte sich die Band (mit dem neuen Drummer Brian Caputo) nach Kalifornien unter die Fittiche von Luxusproduzent Jim Scott (Whiskeytown, Wilco, Tom Petty, Neal Casal, BoDeans) begeben, der ihnen seinen bewährten Analog-Gitarrensound verschrieben und die tollen Lead & Harmony Vocals der Wilsons extra herausgeputzt hat. Zusätzlich wurde für einige Nummern der berühmte Studiocrack Greg Leisz an Pedal & Lap Steel verpflichtet! Das ergab einen wahrhaft kosmischen Sound, bei dem allen Country Rock-Fans das Herz aufgegangen sein muss!

Und nun also Sirens. Fast hat es wieder drei Jahre gedauert, bis alle Aufnahmen im Kasten waren. Eine Band wie die Sons Of Bill kann es sich halt noch nicht leisten, allzu lange aufs Touren zu verzichten, das Geld muss stetig reinkommen und mit dem Kickstarter-Sponsoring allein kann man z.B. einen Produzenten wie Cracker-Boss David Lowery kaum bezahlen. Jawohl, die Wilson-Brüder, Seth Green und der zurückgekehrte erste Drummer Todd Wellons sind diesmal nicht in die Ferne gezogen, sondern nur ein paar Meilen nach Osten in die Nachbarstadt Richmond gefahren, um in Lowery's Profi-Heimstudio Sound Of Music den Großteil von Sirens einzuspielen und sich von ihm produzieren zu lassen. In jenem Studio also, in dem neben Cracker schon Acts wie Sparklehorse, Trailer Bride, Clem Snide, Kingsbury Manx, Lucero, Magnolia Electric Co. und Hotel Lights gearbeitet haben.

Von den ersten Akkorden des Openers 'Santa Ana Winds' an ist völlig klar, wohin die Reise geht: mit mehr Druck von der Rhythm Section, einem volleren Keyboards-Teppich und satter aufgenommenen Gitarren zu einem erheblich kompakteren, lauteren Gruppensound, in dem es schon verdammt starker Songs und charakteristischer Lead Vocals bedarf, um möglichst viele individuelle Akzente zu setzen. Und genau solch ein Material hat die Band zusammengetragen! Tastenmann Abe Wilson ist bei den Writer Credits so häufig wie noch nie vertreten, mit dem 7-minütigen 'Turn It Up' und dem folgenden 'The Tree', bei denen er übrigens auch als Leadsänger agiert, "gehört" ihm das Zentrum des Albums. Leadgitarrist Sam Wilson, der als einziger in 2008 nebenher eine Soloplatte (Green Gates) veröffentlicht hat, steuert seine üblichen zwei Songs bei, die beide herausragend sind und die er auch singt: 'Find My Way Back Home' als früher Ohrwurm im BoDeans-Stil und das atmosphärisch schöne, mit Pedal Steel und Mellotron von Alan Weatherhead (Cracker, Sparklehorse) veredelte 'Radio Can't Rewind'. Das Gros des Materials stammt natürlich wieder vom baumlangen Youngster und Frontman James Wilson. Er spielt Gitarre und singt mit dieser angerauten, kratzigen Nasalstimme, die mittlerweile zu einem echten Markenzeichen der Sons Of Bill geworden ist. Neben Hits wie 'Santa Ana Winds' und 'Siren Song', die schon fast R.E.M.-Charakter aufweisen, gehören der Rocker 'Life In Shambles' mit den Cracker-Gästen David Lowery & Johnny Hickman, das Springsteen-hafte 'Angry Eyes', das ruppige 'This Losing Fight' und die abschließende kongeniale Balladenhymne 'Virginia Calling' zu seinen Credits.

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